Selbstbau Shift Kamera



Da ich bei meiner Linhof Master Technika meist nur das Objektiv nach oben shifte und die Kamera auch nicht die leichteste ist, habe ich mal versucht, eine leichtere Kamera zu bauen. Außerdem wollte ich kürzere Brennweiten als 75mm verwenden. Die drei Haupteigenschaften sollten also sein :
  1. leichter als die Master Technika (wiegt nur die Hälfte)
  2. Brennweiten von 90mm bis 58mm
  3. nur Shiften der Objektivstandarte
Der Kamerakörper kommt aus dem 3D-Drucker. Für die Rückwand habe ich gebrauchte Teile von Linhof verwendet. Als Besonderheit hat die Kamera einen Schrittmotor, mit dem die Frontstandarte bis zu 28mm nach oben verschoben werden kann (als Rückfallebene geht natürlich auch Handbetrieb). Desweiteren wird durch eine binäre Kodierung an der Objektivplatine das eingesetzte Objektiv automatisch erkannt. Auch die Lage des Drehrahmens wird automatisch erkannt. Das Filmformat muß am Bedienteil eingegeben werden. Dann kann die Frontstandarte nur so weit nach oben verfahren werden wie der Bildkreis des Objektiv es zulässt. Hier jetzt ein paar Fotos vom Bau der Kamera.

Entwurf der Kamera :















Hat natürlich nicht auf Anhieb geklappt, es waren mehrere Versuche nötig (Maß oder Form mußte korrigiert werden) :



Ausdruck des Kamerakörpers :





Hier das Ergebnis :

















Die Objektivstandarte :







In die rechteckige Vertiefung wird noch ein Samtband zur Lichtabdichtung eingeklebt.



Damit die Vorderseite und die Rückseite möglichst planparallel sind wird die Rückseite überfräst :



Fräsen der Flächen für die Führungen der Objektivstandarte :



Da wo im Kamerakörper Schrauben eingedreht werden, habe ich passende geriffelte Messingbuchsen gedreht. Die wurden dann mit 2-Komponentenkleber eingepresst. Vorher wurden die Löcher auf das passende Maß gebracht :



Kamerakörper mit den Messingbuchsen :















Dasselbe bei der Objektivstandarte :















An die Spindelmutter des Schrittmotors wird ein Alustück montiert, das dann mit der Objektivstandarte kuppelt :







Um die Auflagefläche für das Anschrauben des Schrittmotors zu vergrößern, habe ich noch ein Stück Alu gefertigt :







Der Schrittmotor im Kameragehäuse (mit dem Draht wird weiteres Flachbandkabel durch den Kabelkanal gezogen) :







Der Knopf für das manuelle verstellen der Objektivstandarte :



















Der Knopf dreht sich nicht mit, er muß gegen die Feder nach unten gedrückt werden, um die Gewindespindel mitzunehmen. Die Lage des Drehrahmens wird durch einen Hall-Sensor detektiert (im Drehrahmen habe ich einen Magneten eingebaut). Der Sensor wird in ein Messingröhrchen montiert :







Die Nullstellung der Objektivstandarte wird über eine Reflexlichtschranke erkannt, auch diese wird in ein Messingröhrchen eingeklebt :











Beide Sensoren werden in das Kameragehäuse gesteckt :















Hier das Kameragehäuse mit Rückteil :



















Weiter geht's mit der Objektivstandarte. Hier sind schon die beiden unteren Halter für die Objektivplatine montiert. Dann folgt der obere Halter :















Die Erkennung des Objektivs erfolgt über fünf gefederte vergoldete Kontaktstifte :















Die Objektivstandarte wird mittels vier Linearkugellager geführt :























Nach der Montage der Objektivstandarte wird das Kabel an die Kontaktstifte angeschlossen und mit gedruckten Abdeckungen versehen :















Die Objektivplatinen werden mit einer Einfräsung im Bereich der Kontaktstifte versehen :



Mit dem 3D Drucker werden passend kodierte Abdeckungen gedruckt :







Dann noch schnell eine Presse gebaut, um die Kontaktbleche aus 0,1 mm Bronzeblech auszustanzen :











Die beiden Teile werden dann in die Ausfräsung der Objektivplatine geklebt :











Kommen wir nun zum Sucher. Dafür verwende ich ein iPhone SE mit der App "Mark II Artist's Viewfinder". Fehlt nur noch ein passender Halter für das iPhone. Von Cambo gibt es einen, an dem ich mich orientiert habe :











Auch hier habe ich die Messinghülsen für die Schrauben verwendet :



Nicht ganz so einfach war das Bajonett für die Weitwinkellinse Moment 18mm, da ich keine Maßzeichnung hatte. Hat aber funktioniert :



















Die Halterung für das iPhone :























Das Bodenteil mit Metallröhrchen für die Verriegelung















Das Lager zur Drehung vertikal/horizontal







Es wird mit dem Bodenteil verschraubt



















Dazu noch der Ring, um die Teile beweglich zu verbinden











Die obere iPhone Halterung mit Schraube zur Klemmung











Das ganze zusammen







Hier die Befestigungsplatte für den Blitzschuh



















Nach der Montage ist der Halter dann fertig



















Jetzt die Stativbefestigung, damit die Rückwand gedreht werden kann, ohne mit dem Stativkopf zu kollidieren muß die Befestigung etwas erhöht sein. Dazu habe ich ein Stück Vierkantrohr aus Aluminium verwendet und unten eine passend gefräßte Platte für den Stativkopf montiert :



















Das ganze wird dann unten an die Kamera geschraubt :







Nun zum Bedienteil. Auf der Vorderseite befinden sich das OLED Display, der Schrittmotortreiber und die Tasten, auf der Rückseite der Microcontroller. Die Platine kommt in ein Alugehäuse. Auf der Rückseite ist eine gedruckte Halterung für den Akku. Ich verwende einen Lithium-Ionen-Akku meiner Digitalkamera (Pentax K-50). Der dreipolige Stecker ist eine serielle Schnittstelle zum Softwareupdate.



















An der linken Seite des Gehäuses ist der Ein-/Ausschalter und die 12-polige Anschlußbuchse. Diese ist drehbar gelagert, sodaß das Bedienteil etwas gekippt werden kann.



























Hier ein paar Bilder der fertigen Kamera. Für den Transport habe ich eine Platte zum Verschluß der Objektivöffnung gedruckt :











Mit Objektiv, Bedienteil und Sucher (Rückteil und Sucher in Vertikalausrichtung), Objektiv Super Angulon 5,6/65. Die Objektivstandarte ist geshiftet :











Das Bedienteil an der Kamera



Im Display wird oben das Objektiv angezeigt, in der Mitte die aktuelle Höhenverstellung. Unten von links nach rechts die Rückteillage, das Filmformat sowie die maximale Höhenverstellung (hängt vom Bildkreis des Objektivs und vom Filmformat sowie der Rückteillage (horizontal/vertikal) ab). Hier ist das Super Angulon 5,6/65 montiert, die Objektivstandarte ist 12 mm nach oben verschoben. Das Rückteil ist in der horizontalen Position (liegendes Rechteck), das Filmformat ist 4x5 und der maximale Höhenshift ist 12 mm.







Hier Rückteil und Sucher in Horizontalausrichtung







Diesmal mit Super Angulon 5,6/58XL :











Hier mit Rollfilmmagazin Super Rollex 6x9 :















Und mit Handgriff























Ich war bisher nur kurz in der näheren Umgebung um mal Testbilder zu machen, hier zwei Ergebnisse (5,6/65 Objektiv, hatte leider den Centerfilter vergessen) :







Ich habe vier Objektive mit einer Einstellschnecke auf Linhof Platinen montiert (damit ich sie auch an meiner Master Technika verwenden kann).



Super Angulon 5,6/58 Xl mit einer China Einstellschnecke :











Super Angulon 5,6/65 mit einer Schneider Einstellschnecke :











Super Angulon 5,6/75 mit einer China Einstellschnecke. Hier mußte ich noch einen Distanzring drehen, um den passenden Abstand des Objektivs zur Filmebene zu erreichen. Zum Glück hatte ich ein Super Angulon bei dem sich an der Hinterlinse noch ein Schutzring abschrauben läßt. Sonst hätte die Hinterlinse nicht in die Einstellschnecke gepaßt :











Super Angulon 5,6/90 mit einer China Einstellschnecke. Hier war die Hinterlinse lang genug, um in die Einstellschnecke zu passen (der zu große Durchmesser liegt außerhalb der Schnecke). Der Distanzring ist schon ziemlich lang, ich habe ihn so groß wie möglich gemacht. Ich fürchte aber, daß es bei 4x5 zu Abschattungen kommt, das muß ich nochmal mit Testaufnahmen ausprobieren.











Dazu noch ein Koffer zur Aufbewahrung und zum Transport. Es passen noch sechs Planfilmkassetten und 4 Super Rollex Rollfilmkassetten rein.